Über uns

Die Kunstwissenschaftlichen Forschungen entstanden Anfang der 1930er Jahre auf Initiative einer Gruppe von Wiener Nachwuchswissenschaftlern. Dazu gehörten Hans Sedlmayr, Otto Pächt, Guido von Kaschnitz Weinberg sowie Emil Kaufmann.

Meyer Shapiro, der gewissermaßen posthum eine Art Editorial verfasst hat, bezeichnete die Gelehrtengruppe als Neue Wiener Schule der Kunstgeschichte und hielt die Zeitschrift für das „aktuell wahrscheinlich avancierteste Organ europäischer Kunstgeschichtsschreibung“[1]. Insbesondere bei Sedlmayr konstatiert Shapiro einen proto-bildwissenschaftlichen Anspruch. Seine Kritik zielt auf die überhistorische Totalität, die hier konstruiert wird.

Die damaligen Akteure bildeten eine eher lose Affiliation. Allein der Absolventenstatus des Wiener Instituts verband sie miteinander. Ihre divergierenden Forschungsschwerpunkte reichten von der klassischen Archäologie bis zur Beschäftigung mit damals progressiven Themen wie dem Revolutionsklassizisten Claude-Nicolas Ledoux. Der Publikation fehlte ein gemeinsames Herausgeberstatement. Eher scheinen die Kunstwissenschaftlichen Forschungen eine Art Notgeburt gewesen zu sein, geschaffen in Ermangelung geeigneter Publikationsorgane für Dissertationen und Habilitationen.

Nach wie vor stellt das wissenschaftliche Publizieren eine Herausforderung dar. Dabei vervielfachen sich die Distributionswege derzeit durch die digitalen Medien. Massenhaft enden Diplomarbeiten und Dissertationen als so genannte graue Literatur auf Hochschulservern, stellen damit verfügbare Wissensressourcen dar. Das Publizieren im Netz produziert jedoch nicht automatisch eine interessierte Öffentlichkeit mit. Die Aufmerksamkeit potenzieller Leserschaft unterliegt auch hier Gesetzen der Ökonomie. Daher ist und bleibt Herausgeberschaft ein Desiderat, Herausgeberschaft heißt, Inhalte qualitativ hochwertig zu kanalisieren.

Die Kunstwissenschaftlichen Forschungen blieben in nur zwei Ausgaben stecken. Die politische Situation in Österreich während des austrofaschistischen Ständestaats und des Nationalsozialismus riss die Wiener Zweckgemeinschaft auseinander. Während Sedlmayr sich dem neuen System andiente, emigrierten Pächt und Kaufmann. Dabei konnte Pächt als späterer Ordinarius das Wiener Institut maßgeblich mitgestalten, wobei Kaufmann mit seiner Ledoux-Forschung in den USA nicht Fuß fasste.

2013 hat sich ein Herausgeberinnenteam aus Absolventinnen des Wiener Instituts konstituiert, um Anschluss an das Rudiment gebliebene Projekt zu suchen. In Abgrenzung zum Vorläufer wird in den NEUEN kunstwissenschaftlichen forschungen tatsächlich die Form eines Periodikums mit einer durch Rubriken organisierten Struktur angestrebt. Unser Kerngeschäft sehen wir in der Publikation von erstklassiger kunsthistorischer Nachwuchsforschung. Jedes Heft hat einen Themenschwerpunkt, der sich in einem umfangreicheren Leitartikel manifestiert. Daneben bieten die NEUEN kunstwissenschaftlichen forschungen explizit den klassischen Subdisziplinien, wie der mittelalterlichen oder byzantinischen Kunstgeschichte, sowie interdisziplinären Ansätzen ein Forum. Die wissenschaftlichen Artikel werden ergänzt durch Kolumnen zu den Themen Ausstellungspraxis und Kunstrecht, die das kunsthistorische Tätigkeitsfeld von praktischer Seite her beleuchten. Daneben gibt es pro Ausgabe ein KünstlerInnen-Feature.



[1] Meyer Schapiro, The New Viennese School [1936], in: Christopher Wood (Hg.), The Vienna School Reader. Politics and Art Historical Method in the 1930s, New York 2000. (Übersetzung: MM)